Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr, sie ist längst Teil des Alltags & der digitalen Strategie bei AutoScout24. Im Interview erklärt Rouven Leuener, Director Product & Data, wie KI die Plattform intelligenter macht, was das für Händler bedeutet und warum Ethik und Transparenz eine essenzielle Rolle spielen.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz heute in der digitalen Strategie von AutoScout24?
Rouven Leuener: Künstliche Intelligenz ist ein wichtiger Baustein unserer digitalen Strategie. Heute nutzen wir sie vor allem, um Nutzererlebnisse zu personalisieren oder Prozesse zu automatisieren. Ein Beispiel ist der «KI Visibility Booster», der das Suchverhalten von Nutzer:innen analysiert und darauf basierend personalisierte Fahrzeugempfehlungen erstellt. Inserate, welche über den «KI Visibility Booster» ausgespielt werden, erzielen dabei bis zu doppelt so viele Aufrufe wie vergleichbare Inserate ohne. Zudem nutzen wir Machine-Learning-Modelle zur Fahrzeugbewertung, was die Markttransparenz und Vergleichbarkeit verbessert.
Wie stellen Sie sich die Entwicklung des Marktplatzes in den nächsten 3 bis 5 Jahren durch den Einsatz von KI vor?
Die Entwicklung von KI vorauszusagen ist schwierig. Zu erwarten ist eine Entwicklung hin zu intelligenten, kontextbasierten und automatisierten Nutzererlebnissen. KI kann dabei Prozesse effizienter gestalten oder auch neue Wertangebote schaffen. Ein konkretes Beispiel ist der Einsatz fortschrittlicher Chatbots, die nicht nur bei der Fahrzeugauswahl unterstützen, sondern auch kompetent und sprachlich versiert Fragen rund um die Themen Mobilität und Finanzierung beantworten können. Auch im Verkaufsprozess bietet KI grosses Potenzial, etwa indem sie bei Anzeigenerstellung automatisch passende Fahrzeugausstattungen vorschlägt oder indem sie smarte Preisempfehlungen gibt, die regionale Unterschiede und die Nachfrage berücksichtigen. Ein weiterer relevanter Anwendungsbereich ist die Sicherheit: Hier erwarten wir Fortschritte bei der frühzeitigen und präzisen Erkennung von Betrugsversuchen.
Entwickeln Sie Ihre KI-Lösungen intern?
Wir verfolgen einen hybriden Ansatz: Einerseits verfügen wir über interne Kompetenzen in Form von Data Scientists und Machine-Learning-Expert:innen. Andererseits arbeiten wir mit externen Partnern wie Google oder Amazon zusammen und setzen bei spezifischen Anwendungsfällen auf spezialisierte Services. So bauen wir kontinuierlich internes Fachwissen auf und profitieren gleichzeitig von skalierbaren, bewährten Lösungen.
In welchen Bereichen kommt KI bei AutoScout24 bereits zum Einsatz?
KI ist sowohl in der direkten Nutzererfahrung als auch im Hintergrund präsent. Auf der Nutzerseite setzen wir personalisierte Empfehlungen ein, um relevante Fahrzeuge aufzuzeigen. Im Hintergrund nutzen unsere Entwickler:innen KI-gestützte Tools, um effizienten, konsistenten und sicheren Code zu schreiben. Insgesamt ist KI an vielen Stellen in die Plattform integriert.
Wie passt sich die KI von AutoScout24 an die Besonderheiten des Schweizer Markts an?
Unsere Modelle sind auf den Schweizer Markt abgestimmt, so werden diese zum Beispiel mit Schweizer Marktdaten trainiert, um realistische Preisindikatoren und relevante Empfehlungen für Käufer:innen und Verkäufer:innen zu liefern.
Nutzen Sie KI, um die zukünftige Nachfrage nach bestimmten Fahrzeugmodellen oder -typen vorherzusagen?
Dies machen wir noch nicht, es ist aber eine geplante Entwicklung, die Vergangenheit für die Prognose der Zukunft zu verwenden. Modelle werden dabei historische Daten, Interaktionen, saisonale Effekte oder Angebotsdynamiken einbeziehen, um verlässliche Prognosen zu erstellen. Beispielsweise könnten wir damit unsere Händler:innen und unsere Kundschaft besser beim optimalen Verkaufszeitpunkt und -preis unterstützen. Zudem wäre es möglich, frühzeitig Trends zu erkennen, etwa steigende Nachfrage nach kompakten Plug-in-Hybriden in städtischen Gebieten, saisonale Spitzen im Winter bei Allrad-Fahrzeugen oder ein rückläufiges Interesse an bestimmten Antriebsarten. Solche Erkenntnisse könnten sowohl Händler:innen als auch Endnutzer:innen helfen, ihr Fahrzeugangebot und ihre Inserate-Strategie gezielter auszurichten.
Wie verbessert KI das Erlebnis für professionelle Nutzer:innen?
Das Händler-Cockpit von AutoScout24 integriert zentrale Funktionen rund um Daten und KI. Händler:innen können Sichtbarkeit, Reichweite und Kontaktanfragen überwachen. Durch datenbasierte Empfehlungen lassen sich Inserate optimieren. Machine-Learning-Modelle schätzen den Marktpreis ein, vergleichen Fahrzeuge mit ähnlichen Angeboten und identifizieren ideale Preispunkte.
Welche Massnahmen ergreifen Sie, um unternehmensintern einen ethischen Umgang mit Daten sicherzustellen?
Bei SMG gilt eine konzernweite Richtlinie für den ethisch verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz. Sie unterstützt fundierte Entscheidungen bei der Konzeption, Entwicklung, Einführung und Nutzung von KI-Technologien und trägt dazu bei, potenzielle Risiken zu minimieren. Die Richtlinie basiert auf verschiedenen Grundsätzen, wobei der Einsatz von KI ethisch und transparent erfolgt und dabei im Einklang mit gesetzlichen Vorgaben, unseren Unternehmenswerten und gesellschaftlichen Standards steht. Wo immer möglich, wird der Einsatz von KI gegenüber den Nutzer:innen offengelegt. Gezielt werden dabei Verzerrungen von Trainingsdaten erkannt und wo immer möglich vermieden. Dabei werden personenbezogene Daten gemäss dem Prinzip «Privacy by Design» geschützt und rechtskonform verarbeitet. Unsere KI-Lösungen sind darauf ausgerichtet, möglichst inklusiv zu wirken und Diskriminierung aktiv zu vermeiden.
Dieses Interview ist ein Auszug aus dem AutoScout24 Kundenmagazin Pit Stop. Das Magazin bietet regelmässig Geschichten, Tipps und Einblicke in die Welt der Mobilität.




