Chinesische Automarken gewinnen in der Schweiz an Akzeptanz: Eine aktuelle Studie und Plattformdaten von AutoScout24 zeigen einen klaren Stimmungswandel. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem Preisvorteile und technologische Fortschritte, während der After-Sales-Bereich weiterhin eine wichtige Rolle spielt.
Die Skepsis gegenüber Fahrzeugen aus China sinkt – der Anteil der strikten Kaufgegner ist innerhalb von acht Monaten von 43 % auf 24 % gefallen. Gleichzeitig nehmen Nachfrage und Angebot auf AutoScout24 zu. Auch die Offenheit wächst: 30 % würden ein chinesisches Auto in Betracht ziehen, und 53 % erwarten, dass diese Marken in fünf Jahren zum normalen Strassenbild gehören.
Preis und Technologie treiben die Nachfrage
Als Hauptgrund für das wachsende Interesse nennen 69 % der Befragten das Preis-Leistungs-Verhältnis. Laut Mobilitätsexperte Prof. Dr. Zheng Han, Professor für Innovation und Strategie an der Tongji-Universität in Shanghai sowie Gastprofessor an der Universität St. Gallen, profitieren führende chinesische Elektroauto-Hersteller von strukturellen Vorteilen: «Dank modularer Plattformen, hoher Skaleneffekte, starker vertikaler Integration und weitgehend kontrollierter Lieferketten erzielen sie je nach Segment Kostenvorteile von rund 25 bis 30 % gegenüber vielen etablierten Wettbewerbern. Zudem entwickeln diese Unternehmen neue Fahrzeuge in 18 bis 24 Monaten, während etablierte Hersteller dafür meist drei bis fünf Jahre benötigen», so Han.
Neben dem Preis spielt auch die Technologie eine wichtige Rolle: 30 % sehen chinesische Marken bei Batterietechnologie und Innovationsgeschwindigkeit im Vorteil. Für 33 % sind elektrische und umweltfreundliche Antriebe ein zentraler Kaufgrund. Zudem verlagert sich laut Prof. Han der technologische Wettbewerb zunehmend von der Hardware hin zu Software und «KI-definierten Fahrzeugen». Digitale Features werden zum Differenzierungsfaktor und erhöhen die Attraktivität bei digital-affinen Kund:innen. Dies spiegelt sich auch in der Studie wider: Für über ein Viertel der potenziellen Käuferschaft (26 %) ist die digitale Bedienung im Alltag bereits heute ein entscheidendes Kaufargument.
Suchanfragen und Angebot wachsen
Das steigende Interesse zeigt sich auch in den Nutzungsdaten von AutoScout24. Zwischen September 2025 und März 2026 hat sich das Suchvolumen nach BYD bei Neuwagen mehr als verdreifacht, bei Occasionen sogar vervierfacht. MG wurde bei Neuwagen doppelt so häufig gesucht.
Parallel dazu wächst das Angebot: Die Zahl der Neuwagen-Inserate für Polestar stieg um 81 %, bei MG um 24 %. Polestar ist die bekannteste Marke unter den abgefragten Herstellern: 50 Prozent kennen sie zumindest dem Namen nach, gefolgt von BYD (42 Prozent) und MG (32 Prozent).
Service bleibt entscheidend
Trotz wachsender Offenheit bleibt der After-Sales-Bereich zentral: 82 % der potenziellen Käuferinnen und Käufer legen grossen Wert auf ein verlässliches Händler- und Servicenetz. Chinesische Hersteller planen ihre Präsenz in Europa mit lokalen Produktionsstätten auszubauen. Gemäss Prof. Han können sich Schweizer Garagenbetriebe als lokale Dienstleister der neuen Marken positionieren, um Wartung und Service flächendeckend und verlässlich anzubieten und so Vertrauen aufzubauen.
«Das Interesse an chinesischen Automarken nimmt in der Schweiz zu – das zeigt sich sowohl in den Einstellungen als auch im Suchverhalten. Für Händler wird es deshalb wichtiger, ihre Angebote gezielt zu positionieren und die passende Käuferschaft zu erreichen», sagt Alberto Sanz de Lama, Managing Director Automotive der SMG Swiss Marketplace Group.
Datengrundlage
Im Auftrag von AutoScout24 wurde die repräsentative Studie von TX Group Market Research zwischen dem 10. und 18. März 2026 mittels Online-Befragung durchgeführt. Befragt wurden 1’032 Deutsch- und Westschweizer:innen ab 18 Jahren. Die Ergebnisse wurden mit einer Erhebung vom Juli 2025 verglichen. Die Analyse der Angebots- und Suchdaten von AutoScout24 basiert auf dem Zeitraum vom 1. September 2025 bis 31. März 2026. Zusätzliche Einordnungen zur chinesischen Mobilitätsindustrie basieren auf Einschätzungen von Prof. Dr. Zheng Han.
Hinweis: Polestar ist eine schwedische Automarke mit chinesischem Mehrheitseigentümer und Produktion in China, den USA und Südkorea.
Medienkontakt

Marleen Seilheimer
Senior Communications Manager

