Ein Blick in die Zukunft mit Georges T. Roos: Über Megatrends und Game Changer in der Automobil- und Handelsbranche

12.12.2023

Die Schweizer Automobilbranche befindet sich inmitten eines grossen Wandels, der nicht nur durch neue Technologien, sondern auch durch globale Megatrends, wie beispielsweise dem Klimawandel, dem demografischen Wandel oder der Digitalisierung, geprägt ist. Doch wie genau beeinflussen diese Megatrends die Automobilbranche?

Georges T. Roos, renommierter Schweizer Zukunftsforscher, ordnet ein und gibt Antworten darauf, wie die Mobilität in 25 Jahren aussehen könnte und wie sich die Automobilbranche diesen Herausforderungen stellen kann.

«Stellen Sie sich vor, es wäre ein Morgen im Sommer 2048. Der Himmel über Zürich verdunkelt sich zusehends, weil Rushhour herrscht. Viele sind mit ihrem fliegenden Auto auf dem Weg zur Arbeit. In der Luft herrscht ein Gedränge wie heute auf den Strassen», meint Georges T. Roos und startet mit dieser Vision sein Impuls-Referat an der After-Work Session von AutoScout24 im Zürcher Kaufleuten. Was wie nach einem Science-Fiction Film klingt, könnte schon bald Realität werden. Der renommierte Schweizer Zukunftsforscher ist sich sicher: «Einige Megatrends werden die Automobilbranche vor grosse Herausforderungen stellen und grundlegend verändern.»

Nichts mit Glaskugeln am Hut

Doch was sind eigentlich Megatrends? Und weshalb sind diese wichtig für die Zukunftsforschung? «Wer denkt, dass Zukunftsforscher wie Mike Shiva in die Glaskugel schauen, um die Zukunft vorherzusagen, der irrt sich. Zukunftsforscher stützen sich für ihre Prognosen auf Megatrends», so Roos. Er definiert Megatrends als übergeordnete Entwicklungen, die sowohl global sowie auch langfristig sind und erhebliche Auswirkungen auf all unsere Lebensbereiche haben. 

Die Kreislaufwirtschaft als Chance

Gemäss dem Zukunftsforscher zählt der Klimawandel zu jenem Megatrend mit den grössten Auswirkungen auf die Mobilität. «Wollen wir die Pariser Klimaziele erreichen, müssen wir die Massnahmen für den Klimaschutz deutlich verschärfen. Und weil ein grosser Teil des Kohlendioxid aus dem Verkehr stammt, ist es besonders wirkungsvoll, hier den Hebel anzusetzen. Die Dekarbonisierung und der Umstieg auf alternative Energie sind Werkzeuge dafür», ist Roos überzeugt. Dessen Einsatz wird zu disruptiven Veränderungen in der Automobilindustrie führen. Denn der Übergang zum Elektroantrieb bedeutet nicht nur einen Wandel in der Antriebstechnologie, sondern auch für die Herstellung und Wartung der Fahrzeuge. Der Zukunftsforscher führt aus: «Zur Herstellung eines Elektromotors benötigt man nur noch ein Zehntel der Teile. Plus sind jene Fahrzeuge weniger wartungsintensiv. Die Arbeiten von Automobilherstellern und Garagisten werden sich also grundlegend verändern.» Roos sieht in der Kreislaufwirtschaft eine Möglichkeit, die negativen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze zu kompensieren. «80% aller Rohstoffe landen heute im Abfall. Durch die Rückführung von Rohstoffen in den Produktionskreislauf könnten neue Arbeitsplätze entstehen, insbesondere im Bereich der Elektromobilität.» Er denkt sogar noch einen Schritt weiter: «Vielleicht gibt es ja in Zukunft sogar kompostierbare Autos.»

Hat es sich doch nicht ausgebrannt?

Neben dem Trend zur Dekarbonisierung und zum Umstieg auf alternative Antriebe sieht der Zukunftsforscher dennoch eine Überlebenschance für den Verbrennungsmotor: «Durch Biotransformation könnten ganz neue Stoffe entstehen. Dank diesem umweltfreundlichen Sprit könnte es sein, dass die Verbrenner doch noch nicht von der Bildfläche verschwinden müssen.» Diese neuen Stoffe werden aus gentechnisch veränderten Algen hergestellt und die Algen fressen Kohlendioxid. «So wirkt dieser Prozess gleich doppelt», sagt Roos.

Schneller, besser und günstiger Dank künstlicher Intelligenz

Egal, wie die künftigen Autos angetrieben werden: Fakt ist, dass alles in unserer Welt vernetzter und digitalisierter wird. Die digitale Transformation ist bereits in vollem Gange, doch Roos prognostiziert eine noch tiefgreifende Veränderung in den nächsten 25 Jahren: «Virtual- und Augmented Reality sowie Künstliche Intelligenz werden die Art und Weise, wie wir arbeiten und uns fortbewegen, revolutionieren. Die Vorstellung von Smart Mobility, bei der eine künstliche Intelligenz den besten, günstigsten und schnellsten Weg und Verkehrsträger für individuelle Bedürfnisse anzeigt, wird zur Realität.»

Autonomes Fahren in Städten

Roos sieht auch autonomes Fahren als unvermeidlichen Bestandteil der Zukunft. In urbanen Gebieten könnten private Fahrzeuge sogar gänzlich verboten werden, während beispielsweise eine Flotte autonomer Shuttlebusse den individuellen Transportbedarf deckt. Diese Vorstellung einer städtischen Mobilität ohne private Fahrzeuge wirft Fragen nach dem Sinn und der Notwendigkeit individuellen Fahrzeugbesitzes auf.

Demografischer Wandel als unterschätzte Herausforderung

Ein weiterer entscheidender Megatrend ist der demografische Wandel. In 25 Jahren ist die Schweizer Bevölkerung um eine Million gewachsen. Das Wachstum der Bevölkerung findet jedoch fast ausschliesslich im Segment 65+ statt. 2040 wird ein Viertel der Einwohner 65 Jahre alt oder älter sein. Die Anzahl der 80-jährigen wird sich sogar verdoppeln. Roos warnt davor, die Auswirkungen dieses Trends zu unterschätzen: «Die alternde Bevölkerung und der rückläufige Zuzug in die Schweiz könnten zu einem strukturellen Fachkräftemangel führen. Die Autobranche muss sich auf eine längere Erwerbsphase ihrer Mitarbeitenden einstellen und verstärkt in die Weiterbildung älterer Arbeitnehmenden investieren.» Doch nicht nur bei der Arbeit verändert sich mit der alternden Bevölkerung die Bedürfnisse, auch beim Konsum bzw. generell die Ansprüche an das Auto. «In der Schweiz sind neue Pensionäre finanziell gut gestellt und haben genügend Geld für ein Auto. Doch die Fahrzeuge und deren Serviceleistungen müssen zu den Senior:innen passen», so der Zukunftsforscher. 

Insgesamt verdeutlichte das Impuls-Referat von Georges T. Roos, dass die Schweizer Automobilbranche vor spannenden, aber auch herausfordernden Zeiten steht. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Anpassungsfähigkeit der Branche, sowohl auf ökologischer als auch auf sozioökonomischer Ebene. Nur durch Innovation, Nachhaltigkeit und vorausschauende Strategien können Schweizer Automobilhändler und -garagisten eine erfolgreiche Zukunft gestalten.

Kurz-Porträt über George T. Roos

Georges T. Roos, in Basel geboren, studierte an der Universität Zürich Pädagogik, Publizistik und Psychologie. Er war Mitglied in der Redaktionsleitung der Luzerner Neueste Nachrichten und in der Geschäftsleitung des Gottlieb Duttweiler Instituts. 2000 gründete er sein Zukunftsinstitut ROOS Trends&Futures mit Sitz in Luzern. Roos gilt als führender Zukunftsforscher der Schweiz. Er ist Co-Präsident von swissfuture, der Schweizerischen Vereinigung für Zukunftsforschung.

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Marta Andreoni

Head of Design for Automotive

Introduce yourself and your role at SMG

I’m Marta Andreoni, Head of Design at SMG Automotive. I lead the design and UX writing team shaping AutoScout24 user experience. 

In my role, I wear many hats. My main focus is ensuring we stay true to our vision “simplifying people’s lives and connecting humans through innovative digital platforms” and our brand promise, “make it happen”. I challenge my team to think user-first, push for innovation, ease of use for our customers and make forward-thinking decisions, even within business and technological constraints.

 A big part of my role is supporting each designer’s growth, motivation, and career development. Through one-on-one coaching, mentoring, group work, and projects, I help my colleagues set and achieve their goals while fostering new learning opportunities.

What helps you feel empowered and confident in your role?

If I had to mention one thing I would say “being proactive” has been key to feeling more empowered. I enjoy solving problems, so when issues or opportunities arise, be it in the product, market or the team, I get curious and I proactively investigate the reasons and try to bring inputs to be discussed with others, this makes me feel I can be part of the process or solution and my point of view is going to be taken seriously. My optimism also plays a role, giving me confidence that even the most complex challenges can be solved. 

Besides, having trust from other managers and colleagues makes me feel in a safe environment where I can take ownership on topics I’m passionate about. 

What’s one thing SMG does well in fostering an inclusive workplace? What more can be done to amplify and support different perspectives in the workplace?

In my experience, we strive for balancing top-down and bottom-up inputs, ensuring employees can influence product directions, processes, and culture. People are approachable, and our strong feedback culture helps voices be heard. Across SMG, initiatives like regular People & Culture Surveys, topic guilds, and events in our locations across the world foster open exchange and mutual learning.

That said, I’ve noticed that quieter voices sometimes get less space, or interacting with top management can feel intimidating, especially when giving critical feedback. To make participation more inclusive, we could apply more facilitation and group work techniques like structured turn-taking, written input, and smaller group discussions – ensuring everyone, regardless of confidence level, seniority or personality, feels comfortable contributing. 

Design is often about seeing the world differently. How do unique perspectives contribute to more innovative, inclusive, or impactful design?

Design is about understanding diverse user personas and perspectives to create solutions that truly meet their needs or create new opportunities. I believe in the power of collaboration to shape user experiences – bringing together different disciplines, backgrounds, and lived experiences helps challenge assumptions, uncover blind spots, and drive more inclusive, innovative, and impactful solutions.

Looking back on your career, what’s one lesson or piece of advice you wish you had known earlier as a leader in design?

There are three things no one really prepares you for as a design leader: dealing with constant change, facing failure and handling emotions at work. These topics aren’t talked about much until you face them. I was lucky to learn from others’ experiences, but much of it came through my own.

One thing I wish I had understood earlier is the power of emotional intelligence, my job is no longer about the content and the design, it is about people. Self-awareness, not just of your own emotions, but also how others feel and react, can be the difference between conflict and harmony, frustration and clarity. The more I grow as a leader and designer, the more I realise that design isn’t just about doing the design job, delivering solutions on the market: it’s about navigating people, their emotions, and making change more acceptable and transforming issues into opportunities, both within the organisation and through great products.

 

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